Über Femizid, Suizid und Gewalt offen reden. Nach dem unfassbaren Femizid und Suizid in Heimschuh, stehen Experten mit der Bevölkerung im Austausch. Taten wie jene in Heimschuh erschüttern zutiefst. Sie machen sprachlos, traurig, wütend und fassungslos. Viele Menschen fragen sich danach: Was kann ich sagen? Wie kann ich helfen? Wie gehe ich damit um, wenn einem selbst die Worte fehlen? „Gerade dann ist es wichtig, nicht wegzusehen. Oft sind es keine perfekten Worte, die gebraucht werden, sondern ehrliche Anteilnahme, Aufmerksamkeit und Menschlichkeit“, betont Natascha Bergler von der Frauenberatungsstelle Leibnitz. Hinschauen statt verdrängen: Gewalt kann überall passieren. Gewalt betrifft nicht nur „andere“ oder findet nur „anderswo“ statt. Sie kann in jeder Familie, jeder Nachbarschaft und jedem sozialen Umfeld vorkommen. Deshalb ist es wichtig, Gewalt in all ihren Formen ernst zu nehmen. Jeder Mensch hat das Recht auf ein Leben ohne Gewalt. Gewalt ist keine Privatsache – Nähe zeigen: Nach solchen Taten herrscht oft Unsicherheit. Viele Menschen meiden Betroffene aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Doch Schweigen kann zusätzlich belasten. Ein einfaches: „Ich bin da“, „Wie geht es dir?“, oder „Du bist nicht allein“, kann mehr helfen als viele Worte. Unterstützung anzubieten und präsent zu bleiben, ist oft das Wertvollste. Unterschiedliche Reaktionen sind normal: Menschen reagieren auf erschütternde Ereignisse sehr verschieden. Manche erstarren, andere werden wütend, ziehen sich zurück oder leiden unter Schlafproblemen und Unruhe. All diese Reaktionen sind normal und dürfen sein. Jede und jeder verarbeitet Erlebtes auf eigene Weise und im eigenen Tempo. Zuhören statt erklären: Nicht alles braucht sofort Antworten. Für manche Taten gibt es keine verständlichen Erklärungen. Wichtiger ist es, zuzuhören, Gefühle ernst zu nehmen und Raum für Trauer, Fragen oder Sprachlosigkeit zu geben. Manchmal hilft stille Anwesenheit mehr als jedes Gespräch. Vorsicht mit Ratschlägen: Gut gemeinte Sätze wie: „Du musst jetzt stark sein“ oder „Denk positiv“ können Druck erzeugen. Betroffene brauchen keine schnellen Lösungen, sondern Mitgefühl, Zeit und Verständnis. Gefühle dürfen da sein: ohne bewertet oder relativiert zu werden. Kinder besonders im Blick behalten: Kinder nehmen Spannungen und Veränderungen sehr genau wahr. Nach solchen Ereignissen suchen sie nach Sicherheit, Nähe und Orientierung. Sie sollten mit ihren Eindrücken nicht allein gelassen werden. Ehrliche, altersgerechte Worte helfen, nach dem Grundsatz: so viel wie nötig, so wenig wie möglich. Noch wichtiger als Worte sind Wärme, Geborgenheit und verlässliche Bezugspersonen. Auch auf sich selbst achten: Solche Taten belasten nicht nur unmittelbar Betroffene, sondern auch Angehörige, Freunde, Helfende und das Umfeld. Wenn Sie merken, dass Sie das Geschehen stark mitnimmt, holen Sie Unterstützung. Selbstfürsorge ist notwendig und wichtig. Männer in Verantwortung nehmen: Auch Männer brauchen Räume, in denen Gefühle, Überforderung, Krisen und Verletzlichkeit offen angesprochen werden können, ohne Scham und ohne Angst vor Bewertung. Gleichzeitig ist es notwendig, dass vor allem Männer andere Männer in die Verantwortung nehmen. Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen, sondern oft viel früher: in abwertenden Aussagen, Kontrolle, Einschüchterung oder Grenzüberschreitungen. Hinsehen, ansprechen und Gewalt nicht tolerieren ist ein wichtiger Beitrag, um Eskalationen frühzeitig entgegenzuwirken. Hilfsangebote kennen und vermitteln: Niemand muss mit Gewalt und ihren Folgen allein bleiben. Hilfreich kann es sein, Informationen zu Beratungsstellen weiterzugeben, gemeinsam anzurufen oder zu einem Termin zu begleiten. Wenn Worte fehlen, bleibt dennoch etwas, das jeder geben kann: Menschlichkeit. Hinschauen. Zuhören. Dasein. Waltrraud Fischer Copyright © Regionalmedien Austria AG
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